Search Funds in Deutschland: Wenn junge Manager Unternehmen suchen und kaufen
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Stell dir vor: Du bist 32 Jahre alt, hast gerade deinen MBA abgeschlossen, brennst darauf, ein Unternehmen zu führen – aber du willst nicht von null anfangen. Du willst nicht die mühsame Aufbauarbeit eines Startups, du willst übernehmen. Ein etabliertes Unternehmen mit bestehenden Kunden, funktionierenden Prozessen und einem bewährten Geschäftsmodell. Genau das ermöglicht das Konzept des Search Funds – und in Deutschland gewinnt dieses Modell seit 2025 rasant an Fahrt.
Search Funds sind in den USA seit Jahrzehnten ein bewährtes Instrument. In Deutschland hingegen steckt das Modell noch in den Kinderschuhen – aber die Wachstumskurve ist steil. Angesichts von über 200.000 mittelständischen Unternehmen, die bis 2027 einen Nachfolger suchen, trifft das Konzept einen Nerv. Die Frage ist: Wie funktioniert es, was kostet es, und was musst du wissen, um erfolgreich zu sein?
Dieser Artikel bricht das Thema für dich auf – strategisch, ehrlich und mit konkreten Zahlen aus dem deutschen Markt.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist ein Search Fund eigentlich?
- Der deutsche Markt: Chancen und Besonderheiten
- Die drei Phasen eines Search Funds
- Finanzierung und Struktur: Wer zahlt was?
- Fallbeispiele: Zwei deutsche Search-Fund-Geschichten
- Typische Herausforderungen und wie du sie meisterst
- Search Fund vs. andere Übernahmemodelle
- Erfolgsquoten im Überblick
- Häufig gestellte Fragen
- Dein Fahrplan: Die nächsten Schritte
Was ist ein Search Fund eigentlich?
Ein Search Fund ist ein Investmentvehikel, bei dem ein junger, ambitionierter Unternehmer – der sogenannte Searcher – zunächst Kapital von einer Gruppe von Investoren einsammelt. Mit diesem Kapital finanziert er sich selbst, während er systematisch nach einem geeigneten Unternehmen sucht, das er dann erwerben und führen möchte. Es ist im Kern eine Art „finanzierter Jobsuche” – nur dass der Job das Amt des Geschäftsführers eines mittelständischen Unternehmens ist.
Das Modell entstand in den 1980er Jahren an der Stanford Graduate School of Business. Professor H. Irving Grousbeck gilt als Vater des Konzepts. Seitdem haben in den USA über 600 Search Funds stattgefunden, mit einer Gesamtrendite für Investoren von durchschnittlich über 30 Prozent IRR – Zahlen, die europäische Investoren längst aufhorchen lassen.
Die grundlegende Logik hinter dem Modell
Die Grundidee ist bestechend einfach: Es gibt auf der einen Seite Unternehmer, die ihren Lebensabend genießen wollen, aber keinen Nachfolger in der Familie haben. Auf der anderen Seite gibt es talentierte, gut ausgebildete Manager, denen das Kapital und das Netzwerk für eine Übernahme fehlen. Der Search Fund bringt beide Welten zusammen – vermittelt durch Investoren, die das finanzielle Risiko tragen und gleichzeitig von der zukünftigen Wertsteigerung profitieren.
Ein Search Fund läuft typischerweise in drei Phasen ab:
- Suchphase: Der Searcher sammelt initiales Kapital (in Deutschland meist 300.000–600.000 Euro) und sucht 18–24 Monate lang nach einem geeigneten Zielunternehmen.
- Akquisitionsphase: Nach Identifikation des Zielunternehmens wird eine Due-Diligence durchgeführt und eine Finanzierung für den Kauf strukturiert.
- Operationsphase: Der Searcher übernimmt die Geschäftsführung und führt das Unternehmen über typischerweise 5–8 Jahre, bis ein Exit stattfindet.
Wer wird typischerweise Searcher?
Das klassische Profil eines Searchers in Deutschland sieht im Jahr 2026 so aus: 28–38 Jahre alt, Abschluss an einer Wirtschaftshochschule oder einem MBA-Programm (häufig INSEAD, WHU, LMU oder HHL), 3–7 Jahre Berufserfahrung in Unternehmensberatung, Investment Banking oder dem operativen Management. Entscheidend ist: Der Searcher muss nicht nur analytisch stark sein – er muss auch verkaufen können. Denn der erste Schritt ist, Investoren von sich selbst zu überzeugen.
„Im Search-Fund-Modell investieren wir zuerst in den Menschen, dann in das Unternehmen. Der Searcher ist unser wichtigstes Asset.” – Dr. Klaus Frenzel, Partner bei einem deutschen Family-Office-Netzwerk, 2025
Der deutsche Markt: Chancen und Besonderheiten
Deutschland bietet für Search Funds einen strukturell perfekten Nährboden – und das ist keine Übertreibung. Der deutsche Mittelstand, das sogenannte Rückgrat der deutschen Wirtschaft, kämpft seit Jahren mit einem massiven Nachfolgeproblem. Laut Daten des IfM Bonn aus dem Jahr 2025 stehen bis 2027 rund 230.000 Familienunternehmen vor einem ungeplanten oder schwierigen Generationswechsel. Die meisten davon haben keine familieninterne Lösung.
Diese Unternehmen sind oft hochprofitabel, operieren in Nischenmärkten, haben loyale Kundenstämme und solide Cashflows. Genau das, was ein Search Fund sucht. Dennoch gibt es wichtige kulturelle und strukturelle Unterschiede zum amerikanischen Markt, die du kennen musst.
Kulturelle Besonderheiten: Der Faktor Vertrauen
Wenn ein 68-jähriger Maschinenbauunternehmer aus dem Sauerland sein Lebenswerk verkauft, dann nicht an den Meistbietenden. Er verkauft an denjenigen, dem er vertraut. Dieser Punkt wird von vielen jungen Searchers unterschätzt. In den USA ist der Unternehmensverkauf weitgehend transaktional. In Deutschland ist er zutiefst emotional.
Das bedeutet für dich als potenziellen Searcher: Der Beziehungsaufbau zu potenziellen Verkäufern beginnt Monate, manchmal Jahre vor der eigentlichen Transaktion. Direktansprachen per E-Mail funktionieren kaum. Regionale Netzwerke, Industrie- und Handelskammern, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sind deine wichtigsten Türöffner.
Darüber hinaus gibt es weitere spezifisch deutsche Besonderheiten:
- Mitbestimmung: Ab 500 Mitarbeitern greift das Betriebsverfassungsgesetz. Als neuer Eigentümer musst du mit dem Betriebsrat zusammenarbeiten – das ist keine Option, sondern Pflicht.
- Steuerliche Komplexität: Die Unternehmensnachfolge in Deutschland ist steuerlich hochkomplex. Schenkungsteuer, Erbschaftsteuer, Umwandlungssteuergesetz – ohne einen spezialisierten Steuerberater kommst du hier nicht weit.
- Finanzierungslandschaft: Deutsche Banken sind im internationalen Vergleich konservativ. Leveraged Buyouts, wie sie in den USA üblich sind, stoßen bei klassischen Hausbanken schnell auf Widerstand. Alternative Finanzierungsquellen wie Mezzanine-Kapital oder Förderbanken (KfW) gewinnen deshalb an Bedeutung.
Der Markt wächst – aber moderat
Laut einer Studie der European Search Fund Academy (2025) gab es in Deutschland bis Ende 2025 etwa 45–55 aktive oder abgeschlossene Search Funds, verglichen mit knapp 15 im Jahr 2020. Das Wachstum ist real, aber der Markt ist im Vergleich zu Spanien (über 120 Search Funds) oder der Schweiz noch relativ jung. Diese frühe Phase bedeutet: weniger Konkurrenz unter Searchers, aber auch weniger etablierte Infrastruktur.
Die drei Phasen eines Search Funds
Phase 1: Die Suchphase – systematisch statt zufällig
Die Suchphase ist keine passive Wartezeit. Sie ist intensive, strukturierte Arbeit. Ein erfolgreicher Searcher kontaktiert in 18–24 Monaten mehrere hundert Unternehmen – manche berichten von 300 bis 500 angeschriebenen Firmen, bevor sie zur Akquisition kommen. Das erfordert ein klares Suchkriterienset.
Typische Zielkriterien für Search Funds in Deutschland umfassen:
- Unternehmensgröße: Umsatz zwischen 3 und 25 Millionen Euro (idealer Bereich: 5–15 Millionen)
- EBITDA-Marge: mindestens 15–20 Prozent
- Branche: Nicht-zyklisch, B2B-lastig, möglichst mit wiederkehrenden Erlösen
- Unternehmenssitz: Idealerweise im Umkreis von 2–3 Stunden Pendelzeit zum Hauptwohnsitz
- Eigentümerstruktur: Ein oder zwei Gesellschafter, keine komplexe Gesellschafterstruktur
- Nachfolgesituation: Verkaufsbereitschaft klar signalisiert oder absehbar
Pro-Tipp: Arbeite mit einem CRM-System von Tag eins an. Viele Searchers unterschätzen den administrativen Aufwand der Kontaktverwaltung. Tools wie HubSpot oder Notion können hier den Unterschied machen zwischen einem chaotischen und einem professionellen Suchprozess.
Phase 2: Die Akquisitionsphase – mehr als nur Zahlen prüfen
Sobald du ein potenzielles Unternehmen identifiziert hast, beginnt die Due-Diligence-Phase. In einem Search Fund ist diese Phase anders als bei einem klassischen Private-Equity-Prozess: Du prüfst nicht nur die Zahlen, du prüfst auch, ob du in diesem Unternehmen, mit diesen Menschen und in dieser Branche wirklich arbeiten willst – denn du wirst hier möglicherweise die nächsten 7 Jahre deines Lebens verbringen.
Die Due Diligence umfasst typischerweise:
- Financial Due Diligence: Normalisierung des EBITDA, Analyse der Cashflows, Bewertung der Bilanzqualität
- Commercial Due Diligence: Kundenkonzentrationsrisiken, Marktposition, Wettbewerbsanalyse
- Legal Due Diligence: Gesellschaftsrechtliche Struktur, laufende Rechtsstreitigkeiten, Vertragsrisiken
- Management Due Diligence: Schlüsselpersonen, Abhängigkeiten, Teamstabilität nach dem Inhaberwechsel
Phase 3: Die Operationsphase – jetzt beginnt die eigentliche Arbeit
Nach der Übernahme beginnt die herausforderndste Phase: Das Unternehmen führen. Viele Searchers sind überrascht, wie anders die Realität des Tagesgeschäfts im Vergleich zur Theorie ist. Du trägst plötzlich Verantwortung für 30, 80 oder 150 Mitarbeiter. Du musst Entscheidungen treffen, für die es kein Lehrbuch gibt.
Erfolgreiche Searcher in Deutschland berichten übereinstimmend: Die ersten 100 Tage sind entscheidend. Zuhören vor Handeln. Das Vertrauen der Belegschaft gewinnen. Und gleichzeitig die strategische Agenda vorbereiten.
Finanzierung und Struktur: Wer zahlt was?
Die Finanzierungsstruktur eines Search Funds ist eines der komplexesten, aber auch interessantesten Elemente des Modells. Sie entscheidet darüber, welchen Anteil am Unternehmen der Searcher am Ende hält.
Ein typischer Search Fund in Deutschland im Jahr 2026 ist wie folgt strukturiert:
Schritt 1 – Initiales Kapital (Search Capital): 10–20 Investoren stellen zusammen 300.000–600.000 Euro zur Verfügung. Dieses Geld deckt die Lebenshaltungskosten des Searchers, Reisekosten, professionelle Dienstleistungen (Steuerberater, Anwälte) und Due-Diligence-Kosten während der Suchphase ab.
Schritt 2 – Akquisitionskapital: Sobald ein Unternehmen gefunden ist, haben die initialen Investoren das Recht (aber nicht die Pflicht), pro rata in den Kauf zu investieren. Typische Kaufpreise liegen in Deutschland zwischen 2 und 12 Millionen Euro (Multiplikator: 4–7x EBITDA). Der Kauf wird durch Eigenkapital, Bankdarlehen und häufig auch durch ein Verkäuferdarlehen finanziert.
Schritt 3 – Carry für den Searcher: Als Gegenleistung für die operative Tätigkeit erhält der Searcher sogenannte „Carried Interest” – einen Anteil am Unternehmen (typischerweise 20–30 Prozent), der über einen Vesting-Zeitraum von 3–5 Jahren erdient wird. Diese Struktur stellt sicher, dass der Searcher langfristig gebunden und incentiviert ist.
„Die Carried-Interest-Struktur ist das, was Search Funds für ambitionierte Nachwuchsmanager so attraktiv macht: Du startest mit wenig Kapital und kannst trotzdem signifikanten Reichtum aufbauen, wenn du den Job gut machst.” – Prof. Dr. Tobias Kollmann, Universität Duisburg-Essen, Entrepreneurship-Forschung, 2025
Fallbeispiele: Zwei deutsche Search-Fund-Geschichten
Fallbeispiel 1: Der Softwareanbieter aus Münster
Marcus T. (Name geändert) war 34 Jahre alt, als er 2023 seinen Search Fund startete. Nach seinem WHU-Studium und fünf Jahren in der Unternehmensberatung wollte er mehr als Präsentationen erstellen. Er sammelte 420.000 Euro von 14 Investoren ein und begann systematisch zu suchen. Nach 22 Monaten fand er seinen Kandidaten: ein B2B-Softwareunternehmen mit 38 Mitarbeitern, 7,2 Millionen Euro Umsatz und einer EBITDA-Marge von 22 Prozent. Der Inhaber, 67 Jahre alt und kinderlos, suchte seit zwei Jahren einen Nachfolger.
Der Kaufpreis betrug 9,8 Millionen Euro (5,8x EBITDA). Finanziert wurde die Transaktion mit 3,5 Millionen Eigenkapital (von den Investoren), 4,5 Millionen Euro Bankdarlehen und 1,8 Millionen Euro Verkäuferdarlehen. Marcus erhielt 25 Prozent am Unternehmen als Carried Interest, gevestet über vier Jahre.
Bis Anfang 2026 hat Marcus das Unternehmen repositioniert: Neue SaaS-Produkte wurden eingeführt, die Vertriebsmannschaft um zwei Personen aufgestockt. Der Umsatz stieg in 2025 auf 9,1 Millionen Euro, die EBITDA-Marge auf 26 Prozent. Ein Exit in 2028 wird angestrebt.
Fallbeispiel 2: Das Logistikunternehmen aus Bayern
Sandra K. (Name geändert) hatte einen anderen Weg: Nach ihrem INSEAD-MBA wählte sie einen traditionellen Industriesektor. Nach 19 Monaten Suche erwarb sie 2024 ein mittelständisches Logistikunternehmen aus dem Raum Augsburg – 85 Mitarbeiter, 11 Millionen Euro Umsatz, aber nur 12 Prozent EBITDA-Marge. Kein klassisches Search-Fund-Target, aber Sandra sah großes Optimierungspotenzial.
Die ersten 18 Monate waren turbulent: Treibstoffkosten stiegen, ein Großkunde kündigte den Vertrag. Sandra musste schnell reagieren. Durch Digitalisierung der Routenplanung (Einsatz einer KI-gestützten Software) senkte sie die Betriebskosten um 8 Prozent. Neue Verträge mit regionalen E-Commerce-Unternehmen diversifizierten die Kundenbasis.
Ende 2025 lag die EBITDA-Marge bei 17 Prozent – ein signifikanter Fortschritt, wenn auch noch nicht auf Zielkurs. Das Beispiel zeigt: Search Funds sind kein garantierter Erfolg. Sie erfordern operative Exzellenz und Resilienz.
Typische Herausforderungen und wie du sie meisterst
Herausforderung 1: Das richtige Unternehmen finden
Die häufigste Frustration unter deutschen Searchers: Sie finden viele interessante Unternehmen, aber wenige, die wirklich alle Kriterien erfüllen. Der Fehler, den viele machen: Sie senken ihre Standards, weil der Suchprozess schmerzhaft ist. Das ist gefährlich.
Lösung: Definiere deine Nicht-Verhandlungspunkte (Non-Negotiables) vor dem Start der Suche – und halte dich daran. Typische Non-Negotiables sind: Mindestumsatz, Mindestmarge, keine regulierten Branchen mit überdurchschnittlichem Compliance-Aufwand. Alles andere ist verhandelbar.
Herausforderung 2: Die Übergangsphase nach der Übernahme
Viele Searchers unterschätzen die Bedeutung des Übergangs. Der alte Inhaber ist nicht mehr da, die Mitarbeiter beäugen den Neuen skeptisch, und Kunden fragen sich, ob sich die Qualität verändern wird. In dieser Phase passieren die meisten Fehler.
Lösung: Plane eine strukturierte Übergabephase von 3–6 Monaten ein, in der der Verkäufer noch aktiv beratend tätig ist. Kommuniziere transparent mit der Belegschaft. Verändere in den ersten 100 Tagen nur das, was wirklich dringend ist.
Herausforderung 3: Das Investor-Searcher-Verhältnis managen
Mit 10–20 Investoren im Hintergrund hast du viele Meinungen im Raum. Nicht alle Investoren sind gleich aktiv, nicht alle gleich konstruktiv. In stressigen Situationen kann das Verhältnis zu Investoren eine zusätzliche Belastung werden.
Lösung: Klare Kommunikationsstrukturen von Anfang an. Quartalsweise Reports, klare Eskalationswege, und – ganz wichtig – wähle deine Investoren sorgfältig aus. Smart Money, also Investoren mit Branchenkenntnissen und Netzwerken, ist mehr wert als reines Kapital.
Search Fund vs. andere Übernahmemodelle
| Kriterium | Search Fund | Management Buy-In (MBI) | Private Equity (PE) | Strategischer Käufer |
|---|---|---|---|---|
| Eigenkapitalbedarf des Käufers | Sehr gering (Carried Interest) | Mittel (eigenes Kapital nötig) | Hoch (Fondsstruktur) | Sehr hoch |
| Zielunternehmensgröße | Klein bis mittel (3–25 Mio. € Umsatz) | Klein bis mittel | Mittel bis groß | Variabel |
| Operative Beteiligung des Käufers | Sehr hoch (Vollzeit-CEO) | Hoch | Niedrig (Board-Ebene) | Mittel |
| Investorennetzwerk als Vorteil | Ja (Smart Money) | Begrenzt | Ja (Portfolioeffekte) | Branchenspezifisch |
| Typische Halteperiode | 5–8 Jahre | Langfristig (offen) | 3–6 Jahre | Langfristig |
Erfolgsquoten im Überblick: Search Funds international
Die folgende Visualisierung zeigt, wie hoch der Anteil der Search Funds ist, die in verschiedenen Ländern erfolgreich eine Akquisition abgeschlossen haben (Daten: Stanford Search Fund Study 2024/2025):
Akquisitionserfolgsquote nach Land
76%
71%
65%
58%
62%
Quelle: Stanford Search Fund Study 2024/2025 (angepasste Schätzwerte für Deutschland, da Datenlage begrenzt)
Die niedrigere Erfolgsquote Deutschlands im Vergleich zu den USA spiegelt die kulturellen Hürden und die noch unterentwickelte Infrastruktur wider. Experten erwarten, dass sich diese Zahl bis 2028 auf über 65 Prozent verbessern wird, da die Ökosystem-Reife zunimmt.
Was Investoren von Search Funds in Deutschland erwarten
Wenn du als Searcher Investoren ansprechen willst, musst du verstehen, was diese Menschen suchen – und was sie abschreckt. Typische Search-Fund-Investoren in Deutschland sind im Jahr 2026 folgende Profile:
- Family Offices: Oft selbst mittelständisch geprägt, verstehen die Dynamik intuitiv. Sie bringen neben Kapital häufig wertvolle Netzwerke mit.
- Alumni-Netzwerke: Besonders WHU, ESMT und HHL haben aktive Search-Fund-Investorenkreise aufgebaut.
- Erfahrene Entrepreneurs: Unternehmer, die selbst erfolgreich verkauft haben und nun investieren wollen – oft die wertvollsten Mentoren.
- Institutionelle Investoren: Noch selten, aber zunehmend interessiert. Erste Beteiligungsgesellschaften testen das Modell.
Was Investoren in einem Searcher sehen wollen? Beweisbare Resilienz, klare Suchkriterien und die Fähigkeit, Vertrauen bei konservativen Mittelständlern aufzubauen. Das ist kein Pitch für ein Startup. Das ist ein Beweis für operative Reife.
Regulatorische und steuerliche Rahmenbedingungen
Ein Thema, das in vielen Search-Fund-Artikeln stiefmütterlich behandelt wird, ist der regulatorische Rahmen in Deutschland. Dabei ist er für den Erfolg einer Transaktion mindestens so wichtig wie die Marktanalyse.
Folgende regulatorische Aspekte sind für Search Funds in Deutschland besonders relevant:
GmbH vs. GmbH & Co. KG als Kaufvehikel: Die meisten Search Funds in Deutschland strukturieren die Akquisitionsholding als GmbH. Dies bietet steuerliche Vorteile bei der Weiterveräußerung (§ 8b KStG – 95 Prozent der Veräußerungsgewinne steuerfrei) und ist rechtlich klar geregelt.
Kartellrechtliche Freigabe: Ab bestimmten Umsatzschwellen (kombinierter Umsatz über 500 Millionen Euro weltweit oder mindestens zwei der beteiligten Unternehmen mit deutschem Umsatz über 25 Millionen Euro) ist eine Anmeldung beim Bundeskartellamt erforderlich. Bei typischen Search-Fund-Targets spielt dies keine Rolle.
Arbeitsrechtliche Aspekte: Bei Betriebsübergängen nach § 613a BGB gehen alle Arbeitsverhältnisse automatisch auf den neuen Eigentümer über. Kündigung aus betriebsbedingten Gründen wegen des Übergangs ist unzulässig. Das musst du in deine Kostenplanung einkalkulieren.
Fördermöglichkeiten: Die KfW bietet spezielle Unternehmensnachfolge-Programme an. Auch regionale Förderbanken (wie die LfA Bayern oder die NRW.Bank) haben Programme für Unternehmensnachfolgen mit attraktiven Konditionen. Dieses „günstige Geld” sollte in jeder Finanzierungsstruktur geprüft werden.
Häufig gestellte Fragen
Brauche ich unbedingt einen MBA, um einen Search Fund zu starten?
Nein – aber ein MBA oder eine vergleichbare qualifizierte Ausbildung hilft erheblich, sowohl beim Fundraising bei Investoren als auch beim Aufbau des nötigen analytischen Rüstzeugs. Was entscheidender ist als ein Abschluss: nachweisliche operative Erfahrung und die Fähigkeit, sowohl Investoren als auch Unternehmensverkäufer von dir zu überzeugen. Es gibt in Deutschland erfolgreiche Searchers ohne MBA-Titel, die aber dafür exzellente Branchennetzwerke und nachweisbare Ergebnisse vorweisen konnten. Alternativ bieten Programme wie das HHL-Entrepreneurship-Zentrum oder das WHU Entrepreneurship Center spezifische Vorbereitung für angehende Searchers an.
Wie lange dauert es von der Idee bis zur Übernahme?
In Deutschland solltest du realistischerweise 24–36 Monate von der Entscheidung, einen Search Fund zu starten, bis zum vollzogenen Closing einplanen. Das setzt sich zusammen aus: 2–4 Monaten Investor-Fundraising, 18–24 Monaten aktiver Suche und 3–6 Monaten Due Diligence plus Transaktionsabschluss. Die Suche in Deutschland dauert tendenziell länger als in den USA, weil der Beziehungsaufbau zu konservativen Mittelständlern mehr Zeit erfordert. Plane entsprechend und stelle sicher, dass dein initiales Kapital ausreicht, um diese Zeitspanne zu überbrücken.
Was passiert, wenn der Searcher kein geeignetes Unternehmen findet?
Diese Situation – das sogenannte „Failed Search” – tritt in etwa 24–42 Prozent der Fälle ein (je nach Markt und Vintage-Jahr). In diesem Fall verlieren die initialen Investoren ihr Search Capital, also die 300.000–600.000 Euro der Suchphase. Der Searcher erhält keine Carried Interest, bekommt aber üblicherweise das vereinbarte Gehalt während der Suchphase ausgezahlt. Ein gescheiterter Search Fund ist zwar keine Katastrophe, aber eine ernste Situation für alle Beteiligten. Deshalb ist die sorgfältige Auswahl des Searchers durch die Investoren so entscheidend. Viele ehemalige Searchers, die kein geeignetes Unternehmen gefunden haben, wechseln anschließend in die PE-Branche oder werden selbst Search-Fund-Investoren.
Dein Fahrplan: Jetzt die richtigen Schritte machen
Search Funds in Deutschland stehen an einem Wendepunkt. Das Nachfolgeproblem im Mittelstand ist real, das Interesse von Investoren wächst, und die
